Montag, 15. Juli

Wie vorhergesagt ist das Wetter "prächtig" um den ganzen Tag im WoMo zu verbringen. Die Homepage erhält das wöchentliche Update. Die letzten Rechnungen, welche uns immer von Sassa per Email geschickt werden (Danke Sassa!), sind bezahlt. Und mein Rücken macht sich am Abend bemerkbar. Die WoMo Sitzbank ist halt kein Bürostuhl.
 
Sylvia ging am Nachmittag mit Brujo laufen und ärgerte sich schwarz, dass sie den Fotoapparat nicht dabei hatte. Sie war nämlich auf ein paar Elche gestossen, einer davon ein kapitaler Stier mit Riesengeweih!
 
Nachdem der Regen gegen Abend aufgehört hat, gehe ich an den Mahlstrom angeln, leider ohne Erfolg. Ein Norweger direkt neben mir fängt ein paar schöne Seelachse. Ich merke mir seine Köder und werde wohl das Löffelsortiment erweitern.
 
Dienstag, 16. Juli
 
Nach einem gemütlichen Frühstück werden heute erst mal die Buchhaltung nachgeführt und die Kreditkartenbelege mit den Belastungen verglichen (muss auch mal sein).
 
Danach verstellen wir unser WoMo auf dem Camping auf einen besseren Platz mit Strom. Das schlechte Wetter und die langen Standzeiten in den letzten Tagen haben die Batterie nun doch ziemlich geleert. Im Shop gegenüber der Strasse kaufe ich ein paar Pilker, welche mir geeignet erscheinen damit auf Seelachs zu angeln. Auch eine neue Rute gönne ich mir, die alte hat nach ein paar Jahrzehnten einige Macken und die Rolle ist auch nicht mehr "state of the art".
 
Neu ausgerüstet gehe ich nochmal zum Mahlstrom. Sylvia kommt auch mit. Keine Angler weit und breit. Bin ich zur falschen Zeit hier? Ich werfe die neue Angel zum ersten Mal aus und fange nach einer Minute bereits den ersten Seelachs. Als ich ihm die Kehle durchschneide macht sich Sylvia vom Acker. Zur Fischerbraut eignet sie sich anscheinend nicht. In der nächsten Stunde beisst Fisch um Fisch. Die grössten behalte ich, den Rest lasse ich frei oder verfüttere sie an die Möwen. Beim Ausnehmen der Fische werden mir die Möwen dann aber zu aggressiv. Ich komme mir vor wie im Film Die Vögel von Hitchcock. Da der Camping ein Schlachthaus für die Angler hat filetiere ich die Fische dort und bringe die fertige(n) Mahlzeit(en) zu Sylvia ins WoMo.
So eine archaische Beschäftigung tut meinen prähistorischen Genen halt doch gut. Der Jäger in mir ist befriedigt, die Sippe versorgt, es geht mir richtig gut.
 
Wärend ich angle ist Sylvia auch wieder unterwegs. Das Wetter zeigte sich heute wieder mal von der besseren Seite. Ein wunderschöner Abend.
 

Mittwoch, 17. Juli

Wir verlassen Saltstraumen bei Traumwetter.

Die heutige Etappe führt uns die Küstenstrasse weiter nach Süden. Wir kommen den Schneebergen und Gletschern immer näher.

Beim Glomfjord biegen wir links ab und fahren über den Fjellveien zum Holmvassdamm des Kraftwerks Saltfjell. Dieser Weg zum Stausee wurde extra dafür errichtet und das Befahren ist auf eigene Gefahr gestattet. Die 9 Kilometer lange Fahrt führt durch einen abenteuerlichen Tunnel und die Strasse windet sich den Berg hoch auf 580 Meter über Meer. Dafür ist unser WoMo gebaut!

Der See befindet sich direkt am Svartisen Gletscher, dem zweitgrössten in Schweden (370km2, 60 Gletscherzungen). Leider ist das Wetter schon wieder gekippt. Der Blick aber ist trotzdem fantastisch.

Eine Leidenschaft von Sylvia ist Steine sammeln. Dieser hier ist zwar etwas gross geraten, muss aber unbedingt mit (den grössten Teil des Wegs hat sie ihn selbst geschleppt!).

Das wohlverdiente Nachtessen ist heute passend zum Ort und zur Umgebung. Getrocknetes Elchfleisch.

Wir stehen mutterseelenallein mitten im Gebirge und verbringen hier die Nacht.

Balsam für die Seele.

Donnerstag, 18. Juli

Die Nacht im Gebirge war wunderschön. Langsam wird es um Mitternacht auch wieder dunkler. Wir wandern etwas beim benachbarten Storglomvatnet, kommen an Schneefeldern vorbei, Murmeltiere pfeifen um die Wette.

Die Gesteinsformationen sind fantastisch.

 

Am frühen Nachmittag fahren wir weiter. In Halsa nehmen wir die Fähre nach Ågskardet. Die Überfahrt dauert nur 10 Minuten. Weiter auf der 17 bis nach Jektkvik, wo die nächste Fähre genommen werden muss. Wir kommen um 17 Uhr am Landesteg an. Da die Fähre erst um 18 Uhr ablegt macht uns Sylvia ein leckeres Abendessen mit einem Teil der Filets von vorgestern.

Während Sylvia das Essen zubereitet nutze ich die Gelegenheit und angle ein bisschen direkt von der Mole aus. So viele Zuschauer hatte ich noch nie. Die anderen Wartenden beobachten das Geschehen und nach ein paar Minuten beisst tatsächlich eine kapitale Makrele. Unser nächstes Essen ist schon wieder gesichert. Nachdem ein paar Zuschauer die Makrele besichtigt haben nehme ich sie aus und verstaue sie im Kühlschrank.

Kaum fertig gegessen, geht es auch schon auf die Fähre. Die Überfahrt dauert etwas mehr als eine Stunde, die See ist spiegelglatt und ich habe entsprechend auch keine Probleme. Als wir den Polarkreis Richtung Süden überqueren teilt der Kapitän dies über Lautsprecher mit. Am Ufer steht eine Skulptur, welche von den Reisenden eifrig fotografiert wir, natürlich auch von uns.

Nach der Ankunft fahren wir noch ein paar Kilometer und übernachten in der Nähe von Haugland.

Freitag, 19. Juli

Wir fahren nach Mo i Rana, eine Industriestadt am Meer ohne Flair. Einkaufen und auftanken. Sylvia findet endlich ihr weisses Rentierfell, auf welches sie seit Schweden auf der Jagd ist. Hier treffen wir wieder auf die E6, die Hauptverbindung vom Norden in den Süden Norwegens.

Weiter geht die Fahrt nach Mosjøen. Eine erhaltene Tankstelle aus den 1930-er Jahren erweckt unsere Neugier.

Wir durchwandern die Altstadt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihren windschiefen Holzhäusern.

Hier essen wir zu Abend in einem "französischen" Restaurant, Provance. Allerdings isst man in so mancher Fabrikkantine mit Sicherheit besser. Das war ein Reinfall!

Na ja, mit aufgeladener Energie fahren wir weiter nach Laksfors. Hier befindet sich einer der zehn grössten Wasserfälle Europas. 700m3 Wasser schiessen hier pro Sekunde durch das Tal, das Geräusch ist ohrenbetäubend.

Hier lassen wir uns nieder für die Nacht, den Blick direkt auf den Wasserfall gerichtet. Auf jeden Fall wird uns kein anderer Lärm stören!

Samstag, 20. Juli

Wir beschliessen, bei der nächsten Gelegenheit wieder auf die Küstenstrasse 17 zu wechseln was wir auch nach Brenna tun. Wir fahren quer nach Westen an die Küste zurück. Leider regnet es den ganzen Tag und dazu kommt in den Bergen auch noch Nebel auf. Vor Brønnøysund liegt die Insel Torget, wo wir uns auf dem Campingplatz aufstellen. Das Gelände ist sehr nass und wir sind froh um unseren Allrad, haben doch die Meisten Probleme, die Wiesen mit ihren Fronttrieblern zu befahren. Wir sind früh dran und suchen uns einen Platz an dem wir sowohl WiFi wie auch Fernsehempfang haben. Der Sturm rüttelt unser WoMo durch, aber wir sitzen wenigstens im Trockenen. Die Makrele von vorgestern landet im Ofen und schmeckt als wäre sie selbstgefangen (kleiner Scherz...)! Am Abend skypen wir mit Nicolaus und Familie, aber nach kurzer Zeit bricht das WiFi zusammen und Sylvia ruft danach mit dem Handy an. So langsam geht uns das Wetter wieder mal auf den Geist. In der Schweiz herrscht Sommerwetter!

Sonntag, 21. Juli

Wir haben gut und lange geschlafen. Der Wind hat sich gelegt, ab und zu blinzelt sogar die Sonne durch die Wolken. Wir beschliessen noch einen Tag hier dranzuhängen. Sylvia braucht dringend ihre paar Stunden Bewegung und erkundet die Umgebung.

 

In der Zeit mache ich im WoMo klar Schiff und widme mich dann ausgiebig der Wasch- und Duschräumen. Sylvia startet ihren ersten Versuch im Gasbackofen ein Brot zu backen (das Resultat ist erstaunlich schmackhaft!) Ich lade den Text für Woche 9 ins Internet und gehe dann angeln. Zwei weitere Makrelen sichern eine weitere Mahlzeit. Leider habe ich mir mein rechtes Knie verdreht. Ich hoffe, dass das keine Fogen haben wird.

Am Abend bebildere ich noch Woche 9. Dann ist Feierabend.