Montag, 8. Juli

Heute stehen wir wieder mal. Woche 7 geht ins Netz. Das Wetter ist den ganzen Tag über saumässig und wird erst gegen Abend besser. Für das Tagebuch ist das zwar in Ordnung, geht aber trotzdem auf die Psyche. Eine kleine Wanderung an den nahegelegenen See gibt mir etwas Frischluft nach den Stunden am Notebook.

Ich werfe zwar die Angel aus, allerdings gibt es im See wahrscheinlich keine Fische. Zu hoch im Norden, Schmelzwasser und keine Verbindung zum Meer.

Ansonsten gibt es für heute wirklich nichts zu berichten. Morgen geht's weiter.

Dienstag, 9. Juli

Auch in der Nacht hat es durchgeregnet. Wir fahren weiter Richtung Süden. Kurz vor Sortland halten wir bei Inga Sami Sida, einem Bauernhof mit Rentieren. Inga empfängt uns freundlich, sagt uns aber, dass ein Besuch heute wegen des schlechten Wetters nichts bringt. Da das Wetter morgen gut sein soll und "tropische" 14-18 Grad angesagt sind verabreden wir uns für morgen. In Sortland, der Hauptstadt der Vesteralen, kaufen wir ein. Das Sortiment ruft uns in Erinnerung, dass wir uns wirklich im hohen Norden befinden.

Danach suchen wir uns einen Platz zum Uebernachten. An der A82, etwa 5 Kilometer ausserhalb von Sortland, finden wir einen Platz neben der Strasse, welcher für WoMo's bereit gestellt wurde. Die Nacht wird aufgrund des nahen Verkehrs etwas laut und Sylvia schläft trotz Ohrstöpsel nicht gut.

Mittwoch, 10. Juli

Um 08:00 trinken wir schon Kaffee und fahren um 09:30 zurück zu Inga. Die Temperatur ist zwar immer noch bei 10 Grad, aber es ist wenigstens trocken. Inga empfängt uns in ihrer traditionellen Samentracht auf ihrem (heutzutage) typischen Gefährt.

Uns fällt auf, dass sie keine Strümpfe trägt. Ihre nackten Beine erklärt sie damit, dass es ihr im Sommer halt viel zu heiss sei! Sie freut sich schon jetzt wieder auf den Winter, da dann die Temperaturen viel angenehmer seien. So ab minus 10 Grad fühlt sie sich dann wieder wohl. Wir gehen mit ihr auf eine Anhöhe hinter dem Hof wo traditionelle Hütten der Samen aufgebaut sind. Sie und ihre Familie leben auf den Bergen in genau solchen Hütten, wenn sie ihre Rentiere zusammen treiben um sie zu markieren (was nächstes Wochenende der Fall sein wird) oder um sie zu sortieren und zu schlachten. Die Familie besitzt etwa 400 Rentiere. Davon werden jedes Jahr etwa 120 geschlachtet. Inga zeigt uns Fotos über die verschiedenen Tätigkeiten ihrer Familie während der vier Jahreszeiten. Die Kinder sind voll integriert (auch beim Schlachten) und wachsen sehr naturnah auf. Auch viele Details über die frei lebenden Rentiere erfahren wir und auch, dass Rudolph, das Rentier des Weihnachtsmannes, ein Weibchen ist. Die männlichen Rentiere werfen ihr Geweih nämlich schon vor Weihnachten ab, während die weiblichen ihres behalten, da sie dieses zur Verteidigung ihres Nachwuchses benötigen. Leider ist das Rentierfleisch, auf das wir gehofft hatten, ausverkauft. Die nächste Schlachtsaison beginnt erst Ende August.

Wir dürfen in einem extra abgesteckten Gehege ein paar Rentiere aus der Nähe betrachten und auch füttern. Streichelzoo!

Nach einer guten Stunde wechseln dann 300 Kronen ihren Besitzer und wir fahren weiter Richtung Lofoten.

Während der Fahrt halte ich Ausschau nach geeigneten Fischgründen. Kurz nach einem Tunnel sehe ich in einem kleinen Fjord Fische springen. Sylvia fährt sofort rechts ran, ich schnappe meine Ausrüstung und kurz darauf angle ich zum ersten Mal in einem Fjord. Schon beim zweiten Wurf beisst eine schöne Makrele und 30 Minuten später bin ich mit 2 Makrelen und einem Pollack (auch Alaska Seelachs genannt, gehört aber zur Familie der Dorsche) wieder beim WoMo.

Schnell die Fische filetieren und die Abfälle im Meer entsorgen. Die Möwen bedanken sich mit einem Riesengeschrei.

Auf der Weiterfahrt biegen wir bei Fiskebol ab und umrunden ein paar Berge. Die Landschaft ist wunderschön. Die Berge mit ihren Schneefeldern könnten auch in den Alpen liegen, nur der "Bergsee" besteht halt aus Salzwasser - und es regnet schon wieder.

Kurz vor der Wiederauffahrt auf die E10 bei Vestpollen finden wir unser nächstes Nachtlager und essen einen Teil der Makrelefilets mit Kartoffelbrei und roter Beete (für euch Schweizer: Hördöpfelstock und Randen). Die Filets schmecken sehr lecker und sind absolut grätenfrei (man lernt dazu). Noch frischer kann man Fisch nicht kriegen!

Donnerstag, 11. Juli

Heute besichtigen wir die Haupstadt der Lofoten, Svolvaer, eine Hafenstadt mit ca. 4000 Einwohnern.

 

Am Hafenplatz sind ein paar Marktstände aufgebaut und wir decken uns mit getrocknetem Elchfleisch ein. Auch getrockneter Wal wird angeboten und wir werden freundlich "genötigt", diesen auch zu degustieren. Schmeckt wirklich sehr gut. Aus ethischen Gründen verzichten wir aber auf den Kauf.

Nach einem Rundgang durch die Stadt mit anschliessendem Einkauf fahren wir weiter nach Henningsvaer. Die Strecke dorthin ist eine der schönsten auf den Lofoten.

Das Fischerdorf selbst ist sehr auf Tourismus eingestellt.

 

Wir besuchen diverse Boutiquen

und, als mein Shopping-Gen den Geist aufgegeben hat, werde ich halt draussen "geparkt" (man beachte das Schild über dem Fenster!).

Der guten Ordnung halber sei hier auch mal einer der Trolle gezeigt, welche uns in Norwegen andauernd begegnen.

Zurück auf der Hauptstrasse finden wir bei Lyngvaer einen Camping mit WiFi und, aufgrund der Lage am Meer mit Sicht nach Osten, auch Fernsehempfang. Wir beschliessen, hier 2 Tage zu bleiben, zumal der Platz auch grosses Angelvergnügen anpreist. Das Wetter war heute "gut", 10 Grad, bewölkt und nur ab und zu Regen.

Freitag, 12. Juli

Das Wetter ist fürchterlich!  Bei gefühlten Temperaturen um Null Grad (ca. 7 Grad effektiv) peitscht der Wind die Regenmassen gegen das WoMo. Hier auf den Lofoten nennt man das einen sogenannten Ausfalltag. An Angeln auf dem Meer ist nicht zu denken. Hohe Wellen und viel Strömung. Wir bleiben den ganzen Tag im WoMo, nur unterbrochen durch einen kleinen Spaziergang. Ich versuche vom Ufer aus zu angeln, breche aber nach ein paar Minuten ab. Zu stark und eisig ist der Wind.

Samstag, 13. Juli

Wir fahren den Fjorden entlang weiter Richtung Süden. Bei Borg besuchen wir, immer noch bei widrigsten Wetterverhältnissen, das Wikingermuseum.

1960 entdeckte ein Bauer auf seinem Feld ein Wikingerhaus, welches restauriert wurde und heute das Leben zur Zeit der Wikinger zeigt. Im neuen Museum werden Gegenstände gezeigt, welche bei den Ausgrabungen gefunden wurden und darauf hinweisen, dass hier ein Herrscher mit seinem Klan gelebt hat.

    

Beim Nussfjord machen wir einen kleinen Abstecher. Wieder ein Fischerdorf, sehr pittoresk.

Die verlangen doch tatsächlich 50 Kronen Eintritt um in das Dorf zu gelangen, es gilt als Museum! Das Dorf sieht aus wie viele andere, also schenken wir uns die Besichtigung und fahren weiter.

Kurz vor unserem Endziel auf den Lofoten, Moskenes, machen wir neben einer Brücke Halt. Ich hoffe, bei diesem Regen unter der Brücke einigermassen geschützt angeln zu können. Das mache ich dann auch, trotz des Windes. Beim zweiten Auswerfen stürzt sich ein Austernfischer (die mit dem roten langen Schnabel) in der Luft auf meinen Löffel und verschwindet mit ihm hinter einem Felsen. Pech, der Löffel ist weg. Den Vogel sehe ich aber nicht wieder. Zum Glück habe ich genügend Löffel dabei und kann nun angeln, nicht ohne beim Werfen die Vögel zu beobachten. Ich fange jede Menge Pollacks, kleinere als letztes Mal und einen goldfarbenen Barsch. Mittlerweile gesellt sich ein Stuttgarter zu mir und wir angeln gemeinsam, ziehen Fisch um Fisch an Land. Wir werden etwas unvorsichtig und verpacken nicht jedes Mal direkt nach dem Fang den Fisch sondern legen sie hinter uns auf den Fels. Die Möwen sehen das auch und als wir beide unseren Fischen den Rücken zudrehen klauen sie uns tatsächlich ein paar. Wir gönnen es ihnen, fangen wir doch mehr als wir benötigen. Das WoMo steht gut geschützt und wir verbringen eine ruhige Nacht.

Sonntag, 14. Juli

Wir brechen gegen Mittag auf und sind nach 2 Kilometern am Hafen.

Nach dem Einchecken für die Fähre erkunden wir etwas die Gegend. Trockengestelle für Torefisk (Stockfisch) und eine Fischfabrik bestimmen das Bild, untermalt von einem betörenden Duft von verrottendem Fisch.

In mir kommt Lust nach einem anständigen Stück Fleisch hoch! Um 14:00 geht es pünktlich auf die Minute los Richtung Festland. Tropfen gegen Uebelkeit haben wir dabei und ich mache vorsorglich Gebrauch davon. Die Vesteralen und die Lofoten waren zwar schön, wettermässig aber nicht wirklich der Bringer und wir sind froh, unsere Reise Richtung Süden fortsetzen zu können. Die Ueberfahrt dauert etwas über drei Stunden und ist auf hoher See recht stürmisch. Die Tropfen gegen Uebelkeit wirken etwa eine Stunde, dann muss ich "nachladen". Wirklich übel wird mir daher nicht und ich bin froh als ich wieder festen Boden unter den Füssen habe. Sylvia ist definitiv seefester als ich und hat mit der Ueberfahrt keine Probleme. (Ich bin ja auch mit fotografieren beschäftigt.)

In Bodo, der grössten Hafenstadt hier im Norden, gönnen wir uns ein leckeres Essen in einem gediegenen Restaurant (mit eigener Brauerei) am Yachthafen. Auch die 11 Euro für ein Bier schrecken uns nicht ab, kostet es doch überall etwa gleichviel. Ich fange an zu verstehen, dass die Nordländer in unseren Gefilden saufen wie die Löcher. Die Menschen hier verarmen doch längst bevor sie zum Alkoholiker werden können!

Nach dem Essen fahren wir noch etwas der Küste entlang und installieren uns beim Camping in Saltstraumen. Morgen ist ja Montag, das WiFi auf dem Platz ist sehr gut, das Wetter extrem schlecht. Das sind doch die idealen Voraussetzungen, um das Reisetagebuch auf den neuesten Stand zu bringen und wieder mal Kontakt zur Aussenwelt zu haben! Hier bei Saltstraumen befindet sich der stärkste Gezeitenstrom der Welt. Wir sind gerade rechtzeitig da um das Schauspiel zu beobachten. (Dieser Mahlstrom hat schon etliche Schriftsteller inspiriert)

Es ist beeindruckend mit welcher schieren Kraft sich die Strömung durch die Meerenge drückt.

Es ist bereits nach 22 Uhr als wir mit einem jungen Pärchen neben unserem WoMo ins Gespräch kommen. Sie sind mit einem Mini-Wohnanhänger unterwegs, in welchem sich nur ein Bett befindet.

Da sie gerade am Kochen sind, bieten wir ihnen einige der gestern gefangenen Fische an und erhalten dafür ein Bier. Guter Tausch! Ich verbringe noch einige Zeit mit Mikey im Skype. Danach machen wir die Heizung an und machen es uns gemütlich. Wir vergessen tatsächlich die Zeit (es ist ja immer noch dauerhaft hell). Um halb drei kriechen wir in die Koje.