Montag, 1. Juli

Nach einer etwas unruhigen Nacht auf dem ziemlich vollen Campingplatz in Jokkmokk bringe ich erst mal die Homepage auf den neuesten Stand. Danach fahren wir in die Stadt und besuchen das Samenmuseum. Ist wirklich sehenswert! Das Leben und die Kultur der Samen wird hier umfassend dargestellt und man erhält einen Eindruck über das karge Leben der Ureinwohner.

Nach dem Besuch des Museums treffen wir nach ein paar Hundert Metern auf einen offenen Markt und kaufen ein paar lapplandtypische Sachen ein.

Sylvia ersteht ein Rentierfell und ich ein wunderschönes traditionelles Samenmesser.

 

Weitere Kleinigkeiten wechseln ihren Besitzer. Im nächsten Laden decken wir uns u.a. mit Rentier Trockenfleisch ein.

Nach Jokkmokk biegen wir ab Richtung Kvikkjokk, einem Bergort mitten in Lapponia. Obwohl die Strecke nach 110 Kilometern in einer Sackgasse endet, wollen wir uns diesem Abstecher gönnen, da Sylvia im Sarek Nationalpark wandern will. Wie wir schnell merken, erfordert die Fahrt volle Konzentration. Rentiere und Elche kreuzen unseren Weg und die erste Vollbremsung mit dem WoMo wird Tatsache.

 Wenig später sehen wir ein kapitales Rentier am Strassenrand äsen. Es macht keine Anstalten zu flüchten und lässt sich in Ruhe fotografieren.

Kurz darauf biegen wir in einen Waldweg, welcher zum Fluss führt, um uns dort für die Nacht einzurichten. Keine Chance! Myriaden von Stechmücken!

Nichts wie weg und weiter nach Kvikkjokk!

Wir installieren uns auf einem grossen Platz in der Hoffnung, hier der Mückenplage einigermassen zu entgehen. Wir freuen uns, nicht aus dem WoMo aussteigen zu müssen. Für Brujo haben wir uns eine Taktik überlegt: Rein in die Führerkabine, Tür nach hinten zu, Brujo raus und wieder rein, Tür zu und dann die Tür nach hinten wieder auf. Am Anfang finden wir es ja noch lustig wie die Viecher versuchen ins WoMo zu gelangen. Einige schaffen es irgendwie und werden von uns umgehend erschlagen. Kurz nach Mitternacht verkriechen wir uns in die Federn, nicht ohne alle Fenster ausser die in unserem "Schlafzimmer" zu schliessen. In dieser Nacht haben die Mückengitter den Härtetest definitiv nicht bestanden!

 

Dienstag, 2. Juli

Aus unserem länger geplanten Aufenthalt wird nichts. Entnervt treten wir um halb vier Uhr morgens die Flucht an und fahren mit weniger als einer Stunde effektiven Schlafs los. Zurück nach Jokkmokk und dann Richtung Kiruna.

In Gälivare machen wir Halt, laufen mit dem Hund und besuchen das lokale Museum, welches sich idealerweise im Touristenbüro befindet. Welch ein Zufall, die haben hier ein Mückenmuseum!

 

Um 15:00 sind wir bereits in Kiruna, einer Bergwerksstadt ohne Flair, dafür aber mit viel Beton und Wind. Wir stellen uns mitten in der Stadt auf einen Parkplatz in der Hoffnung einer mückenfreien Nacht. Wir entspannen erst mal und holen etwas Schlaf nach. Ein weiteres Bimobil parkt neben uns, das erste das wir auf unserer Reise sehen. Wir sind halt Exoten!

Nach einem Spaziergang in die Stadt ohne Sehenwürdigkeiten (der Skelett-Glockenturm des Rathauses hat irgendwann mal irgend einen Preis erhalten - ich erlaube mir zu ergänzen: 1964 schwedischer Architekturpreis für das schönste Gebäude Schwedens, kann man drüber streiten; Architekt: Arthur von Schmalensee)

lesen wir noch ein wenig, doch der Schlaf übermannt uns rasch.

 

Mittwoch, 3. Juli

Der Standplatz war den Umständen entsprechend gut gewählt. Absolut mückenfrei, haben wir geschlafen wie die Engel.

Heute fahren wir nach Björkliden, ein Bergort auf 500 Metern über Meer kurz vor der norwegischen Grenze.

Ein paar Kilometer vorher, in Abisko, rüsten wir gegen die Mücken weiter auf: Halstücher und Handschuhe vervollständigen das schon vorhandene Inventar. Dann installieren wir uns auf dem Campingplatz, essen etwas, Sylvia besteigt mit Brujo den lokalen Berg

und ich gehe an den See um zu Angeln. Meine Mückenkomplettausrüstung kann sich gleich bewähren: Hut mit Netz, Halstuch, Handschuhe, lokale Mückensalbe (stinkt wie Hölle), die Hosen mit Gamaschen und die neue Jacke kommen zum Einsatz. Trotz 12 Grad schwitze ich mich fast zu Tode, aber KEIN Stich! Operation gelungen, Patient fast tot und natürlich kein Fisch! Haha, ein Pyrrhussieg!

Aber auch heute ist Ruhe im WoMo und wir gehen recht früh schlafen.

 

Donnerstag, 4. Juli

Die angesgtrebte Ruhe war trügerisch. Ein Riesengeknatter reisst uns aus dem Schlaf. Direkt neben unserem Stellplatz befindet sich ein Helikopterlandeplatz und dieser wird als Transportplatz für Bauarbeiten im Gebirge genutzt.

Die grossen "Mücken" gefallen uns trotzdem besser als die Blutsauger und so machen wir uns gemütlich reisefertig, füllen den Wassertank, duschen ausgiebig und checken um halb drei aus.

Bei Riksgrensen überqueren wir die Grenze nach Norwegen. Riksgrensen ist nichts als ein Wintersportresort mit Ferienwohnungen und Dauercampingplatz, kein eigentliches Dorf.

Kaum über der Grenze, welche gleichzeitig ein Pass ist,

ändert sich die Landschaft und auch das Wetter. Der Wind von Westen ist rau und lässt die Wolken am Bergkamm abregnen. Trotz der unwirtlichen Gegend gibt es hier einige Ferienhäuser, verteilt in den Felsen. Was machen die hier, und vor allem, was machen die hier im Winter, d.h. ca 9 Monate im Jahr?

Wir fahren runter auf Meereshöhe, ca. 600m Höhenunterschied und von da nach Narvik, einer Hafenstadt.

In einem Supermarkt machen wir uns erst mal schlau über das Angebot und die Preise. Uff, ganz schön heftig. Ein Liter Milch kostet etwa 2 Euro, eine Flasche Mineral 2,20. Fleischpreise sind vergleichbar mit der Schweiz. Ich kaufe ein Red Bull 33cl für umgerechnet 4 Euro, mein Zuckerhaushalt ist gerade im Keller. Nach einem weiteren Besuch in einem Einkaufscenter ohne weiteren Erkenntnisgewinn suchen wir uns einen Platz am Meer. Ich werfe sofort wieder meine Angel aus, aber ohne Erfolg. Wir geniessen den Abend und die Mitternachtssonne.

Freitag, 5. Juli

Es regnet in Strömen. Wir machen uns auf den Weg in Richtung auf die Vesteralen. Unterwegs halten wir bei einem Freilichtmuseum, welches Sylvia alleine erkundet. Nach ein paar Minuten ist sie wieder da, das war wohl nichts.

In Harstad, welches Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurde, essen wir, nach einem Stadtrundgang,

an einem Stand für Asia Food und fahren dann weiter Richtung Andenes.

Zwischen Refsnes und Flesnes nehmen wir zum ersten Mal eine Fähre.

Die Überfahrt dauert gerade mal 20 Minuten.

Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht hat man manchmal die überraschendsten Begegnungen.

Ich bin erstaunt, welch enge Wege wir mit dem WoMo nehmen können. Durch einen Wald mit niedrigen Ästen finde ich meinen Weg, nicht ohne die Seitenfenster etwas zu verkratzen. Zum ersten Mal bin ich auch froh um den Astschutz am WoMo.

Kaum zu glauben, aber wir haben hier tatsächlich Fernsehempfang. Der starke Wind hält die Mücken fern und wir haben eine ruhige Nacht.

Die Mitternachtssonne taucht die Landschaft in ein ganz spezielles Licht.

 

 

Samstag, 6. Juli

Uns gefällt es hier. Kein Mensch weit und breit. Wir beschliessen zu wandern und noch eine Nacht zu bleiben. Plötzlich ein Knattern vor unserem WoMo. Zwei junge Norweger auf Quads stecken Fähnchen als Wegweiser. Na super, heute wird es wohl Action geben. Bevor ich mich aus dem WoMo schälen und mich erkundigen kann sind die Beiden auch schon wieder weg. Also laufen wir noch etwas mit Brujo und machen uns dann startklar. Wir wollen ja nicht plötzlich mitten auf einer Rennpiste stehen.

In Andenes, dem nördlichsten Punkt der Vesteralen, wollen wir eigentlich Halt machen.

Hier gibt es aber nichts zu sehen und alles ist voll mit WoMos. selbst die Sehenswürdigkeiten und Museen sind um 15:30 schon geschlossen. Oder machen die gar nicht auf?

Wir haben den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht!

Also fahren wir die Westküste entlang nach Süden und finden nach Bleik einen Rastplatz. Leider kommt kurz nach uns auch noch ein dänisches WoMo mit Hund, so dass wir nicht alleine sind und Brujo wieder an die Leine muss. Auch an Angeln im nahen See ist nicht zu denken. Das Wetter ist einfach zu schlecht. Also geben wir uns ein Video und ein paar Folgen von CSI. Die Nacht wird sehr stürmisch. Der Regen peitscht die ganze Nacht auf unser wackelndes WoMo. Sylvia haut sich eine Schlaftablette rein und verschläft somit die nächtliche Action.

 

Sonntag, 7. Juli

Mittlerweile hat der Regen aufgehört. Sylvia will unbedingt eine Galerie in Risøyhamn besuchen, welche um 4 Uhr schliesst. Danach macht sie erst wieder am Mittwoch auf. Also los!

Wir fahren die wunderschöne Küste entlang, den "Weg der Mitternachtssonne" (welche wir bis jetzt aufgrund von Wolken oder Bergen erst ansatzweise gesehen haben). In Risøyhamn machen wir bei der erwähnten Galerie Halt. Der Besitzer, ein Holländer welchen die Liebe in diese Ecke verschlagen hat, macht ganz speziellen Schmuck und ich kann meiner Frau endlich mal einen wunderschönen Ring schenken! Liebe Blog-Leserinnen, bitte nicht neidisch werden ;-)

Beim Buksnesfjord Friluftssenter finden wir auch einen Camping mit Wifi und einem tollen Restaurant. Morgen ist Montag, alle Museen etc. sind zu und das Tagebuch harrt wieder mal auf einen Nachtrag. Wir genehmigen uns das Tagesmenu, Elchbraten, für uns eine neue kulinarische Erfahrung! Wer Wild liebt wird sich das nicht entgehen lassen wollen. Es schmeckt fantastisch! Irgendwo zwischen Reh und Hirsch, aber mit einer eigenen, ganz speziellen Geschmacksnote.

Es schüttet wie aus Kübeln, der Wind schüttelt unser WoMo durch, aber Sylvia muss unbedingt mit dem Hund laufen und sie hat Glück, der Regen hört genau für die zwei Stunden auf in denen sie unterwegs ist und setzt in dem Moment wieder ein, in dem sie das WoMo betritt. Der Rest des Abends ist draussen Weltuntergang!