Montag, 24. Juni

Nach Grossputz machen wir uns fertig für die Wildnis. Zuerst geht es nach Mora, wo wir ausgiebig einkaufen und unsere Vorräte aufstocken. In Mora dreht sich alles um den Vasalauf, den mit 90 Kilometern längsten Langlauf der Welt. Der Lauf ist auf Gustav Vasa zurückzuführen, den Bezwinger der Dänen und ersten selbstgewählten König Schwedens, der von hier aus den Bauernaufstand gegen die Dänen organisierte (1521). Wir besichtigen das Gelände mit dem dazu gehörigen Denkmal.

Auch das Anwesen von Anders Zorn, einem schedischen Maler und Bildhauer, durchwandern wir. Für damalige Verhältnisse wohnte der ganz vornehm, war  er doch schon zu seinen Lebzeiten berühmt und angesehen und entsprechend vermögend.

 

 

Im Garten stehen einige seiner Skulpturen. Hier ein wunderschöner Springbrunnen.

Dann geht es über Orsa weiter Richtung Furudal. Das Navi zeigt uns links einen See und nach zwei versuchen finden wir eine Naturstrasse, welche direkt an den See führt. Eine kleine Ferienhaussiedlung, doch kein Mensch da. Hier installieren wir uns für die Nacht.

Endlich, sofort die Angelrute auspacken, Löffel dran und fischen. Der See ist sehr ruhig, fast keine Pflanzen und Fische sehe ich auch keine springen. Nach ein paar mal bleibe ich vermeintlich hängen. Ein Ast? Mühsam ziehe ich den Löffel wieder ein. Doch plötzlich sehe ich, dass ein kapitaler Hecht gebissen hat. Es gelingt mir, trotz fehlendem Käscher, ihn an Land zu ziehen. Mein erster Hecht seit etwa 30 Jahren, 65cm lang und 1,6kg schwer! Nach 10 Minuten ist somit meine Anglerei schon beendet. Stolz bringe ich ihn zu Sylvia und freue mich an ihrem erstaunten Gesicht. Sie macht natürlich sofort ein Foto.

  

Auf dem Steg hinter mir nehme ich das Teil aus und filetiere es. Das muss ich teuer bezahlen. Die Mücken stechen mich zu Hunderten! Die kleinen Biester, welche ich für Fruchtfliegen gehalten habe, beissen mich fast zu Tode. Allein an der rechten Hand habe ich 35 Bisse. Das Gesicht sieht aus, als ob mich eine Ladung Schrot erwischt hätte. Hier nur die Hand, das Gesicht will ich Euch (bzw. mir) ersparen.

Dienstag, 25. Juni

Die Sonne scheint. Die Meisen neben dem WoMo füttern ihre Jungen. Das Leben ist schön.

Wir fahren nach Bollnäs, wo wir auf ein weiteres Unesco Weltkulturerbe stossen, einen Bauernhof Stora Helsingegard. Ein junger Student zeigt uns beiden einzigen Besuchern die Häuser von innen.

    

Danach fahren wir weiter nach Söderhamn. Sylvia besteigt einen Berg und will Fotos machen. Leider sind die Bäume im Weg und ich bin froh mit Brujo in der Ebene gelaufen zu sein. Der Reiseführer, welcher den traumhaften Blick auf die Schären berschreibt, muss wohl geschrieben worden sein als der Wald noch frisch gepflanzt war (so vor 40-50 Jahren?).
Wir schaffen es noch bis kurz vor Hudiksvall, nach Iggesund. Hier machen wir ein paar Fotos vom nächsten Unesco Highlight, einem 150 Jahre alten Stahlwerk. Leider sind die Fotos nichts geworden.

Ganz in der Nähe finden wir unseren Platz für die Nacht. Das neue Stahlwerk ist von hier aus gut zu hören und auch die Eisenbahn leistet ihren Beitrag zur Nachtmusik. Auch der heutige Tag war warm und sonnig. In der Nacht fängt es an zu regnen.

Mittwoch, 26.6.

Das Wetter ist schlecht, 13 Grad. Wir fahren nach Hudiksvall und verpflegen uns erst mal. Sundsvall schauen wir uns aufgrund des Wetters vom Auto aus an und fahren gleich weiter nach Härmösand. Leider nur eine scheussliche Industriestadt und gleichzeitig eine riesige Baustelle. Also weiter nach Norden. Nach kurzem Stop, Beine vertreten und Fotosession an den Högakusten

beziehen wir unser Nachtquartier beim Skuleskogen Nationalpark. Uebrigens haben wir seit 3 Tagen keinen Standplatz mit Fernsehempfang, also wieder keine Nachrichten. Wir pfeifen darauf, was in der Welt passiert.

Donnerstag, 27.6.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang im Nationalpark schauen wir, dass wir Meter gewinnen.

Wir fahren ca. 250 Kilometer bis nach Ratan, ein kleiner Ort mit etwa 50 Einwohnern direkt am Meer, ca. 30 Kilometer nach Umea. Da finden wir einen kleinen Stellplatz für nur 4 WoMos aber mit allem was man braucht: Klo, Dusche, Aufenthaltsraum, Feuerstelle, Strom (brauchen wir nicht), Wasser und Entsorgung. Am Feuer sitzt ein Paar aus Hamburg, Barbara und Bernd. Wir kommen schnell ins Gespräch und es entwickelt sich ein angenehmer Abend. Ins Bett kommen wir erst nach Mitternacht.

Freitag, 28.6.

Gemeinsames Fühstück mit Barbara und Bernd. Wir beschliessen, den Tag hier zu verbringen. Bernd und ich angeln, fangen aber leider nichts. Die Frauen waschen Kleider. Das ist aber auch nicht wirklich ein Erfolg, denn die Waschmaschine wäscht nur kalt und der Trockenschrank (so was haben wir alle noch nie gesehen) funktioniert auch nicht richtig. Der Tag ist kalt und neblig. Abends sitzen wir gemeinsam im WoMo und verbringen einen gemütlichen Abend. Wir sorgen für die Getränke, Bernd bringt Trockenfleisch vom Rentier. Für uns eine Premiere. Schmeckt wie Biltong aus Südafrika. Die Beiden sind unsere ersten Gäste auf unserer Reise.

Auch heute wird es wieder nach Mitternacht. 

Samstag, 29.6.

Nachdem wir mit den Beiden die Koordinaten getauscht haben fahren wir weiter nach Norden. Mittagessen in Skelleftea, dann über Pitea nach Lulea. Beide Städte lassen wir links liegen (bzw. rechts) da es nur Industrie hat und nichts Besonderes (ausser der zigsten Gammelstadt - Blockhütten um eine Kirche, da übernachteten früher die Kirchgänger, die 10 km und mehr entfernt wohnten. Kirchgang war Pflicht) zu besichtigen ist. In Lulea biegen wir Richtung Jokkmokk ab und lassen uns nach 30 Kilometern an einem Sportplatz am Fluss nieder. Ich packe wieder meine Angel aus und fange nach dreimal auswerfen meinen nächsten Hecht.

Diesmal hole ich aus dem Internet eine Anleitung, wie man Hecht am besten filetiert, da die Gräten beim letzten Mal den Genuss schon geschmälert hatten. Ich filetiere ihn dann im WoMo (man lernt ja dazu). Essen werden wir die Filets morgen. Heute sehen wir wieder mal Nachrichten und machen uns dann einen gemütlichen Fernsehabend.

Sonntag, 30.6.

Wir fahren weiter nach Vuollerim, wo wir das Museum Vuollerim6000 besuchen wollen. Hier wurden 6000 Jahre alte Ueberreste einer Siedluch entdeckt. Laut Reiseführer ist es ab Mitte Juni geöffnet Man teilt uns mit, dass es aber erst ab morgen geöffnet hat und nur aus einer Slideshow besteht. Wir beschliessen deshalb, die Umgebung etwas zu erkunden und dann weiterzufahren.

Die Erkundung erweist sich als grober Fehler! Myriaden von Mücken attackieren uns und den armen Hund. Wir fliehen ins WoMo, gefolgt von den Mücken und schlagen panikartig mehr als ein Dutzend davon tot, die meisten davon schon voll mit unserem Blut. Was hat sich Gott bei der Erschaffung dieser Viecher nur gedacht? Es soll den Menschen nicht zu wohl werden?

Heute überqueren wir den Polarkreis bei sommerlichen 22 Grad und strahledem Sonnenschein.

 

Ein paar Kilometer weiter stellen wir uns auf den Camping von Jokkmokk.

Wieder mal WiFi. Allerdings ist der Platz recht voll und die Bandbreite lässt zu wünschen übrig. Wir skypen mit Sassa und Nicolaus. Leider reisst die Verbindung immer wieder ab. Danach Homepage bearbeiten, komme aber nicht weit wegen der dünnen Verbindung. Trotz Mitternachtssonne

zwingen wir uns ins Bett, kommen aber nur schwer in den Schlaf.

Wir wünschen Euch eine gute Woche und melden uns dann wahrscheinlich aus Norwegen wieder. Hasta la vista.