Montag, 10. Juni

Nach dem Retablieren am Morgen verlassen wir gegen Mittag den Ort. Heute ist Fahrtag. Wir legen fast 350km zurück. Unterwegs sehe ich den ersten Elch. Leider keine Chance ein Foto zu schiessen. Sylvia am Steuer hat ihn leider verpasst. Gegen 2200 kommen wir in Santa Anna an, das wir wegen des Schärengartens angefahren haben. Wir machen einen kleinen Spaziergang in der Umgebung mit wunderschönem Blick auf die Schären.

 

Kaum zurück im WoMo öffnet der Himmel seine Schleusen. Es giesst wie aus Kübeln. Wir geniessen den Abend im trockenen und warmen WoMo.

Dienstag, 11. Juni

Sylvia hat Geburtstag. Nach einer kleinen Wanderung verlassen wir Santa Anna. In Söderköping kaufen wir erst mal ein. Ich finde in einem Outlet eine wasserdichte Windjacke für gerade mal SEK 75, das sind weniger als 10 Euro und einen Anglerhut mit Moskitonetz. Auch ein neues USB Ladegerät für das WoMo kaufe ich ein, nachdem ich das Chinateil gestern entsorgt habe. Söderköping ist ein urtümliches Städtchen dessen Hauptattraktion eine Schleuse des Götakanals ist, welche sich mitten in der Stadt befindet.

Eine Telefonzelle gibt es auch.

Für ein gutes Bild nimmt Sylvia jede Verrenkung in Kauf.

Und hier das Resultat.

Der Glockenturm ist auch speziell.

Window Shopping à la Sylvia.

In Norrköpping am Hafen geniessen wir Sylvias Geburtstagsdinner: Surf 'n' Turf.

Unsere nächste Station wird Schloss Gripsholm sein. Unterwegs wollen wir uns wieder mal in die Büsche schlagen. Wir fahren einige Kilometer auf Naturstrassen durch Felder und Wälder. Die Strasse wird immer enger doch wir finden einfach keinen Platz zum stehen. Also parken wir direkt neben der Strasse auf einem kleinen Ausweichplatz mitten im Wald. Zur Feier des Tages wird die beste Flasche Wein, welche wir von zuhause mitgenommen haben, geöffnet. Sylvia telefoniert ausgiebig mit ihren Kindern und so ist es schnell Mitternacht. 

Mittwoch, 12. Juni

Ich erwache, weil ich eine Frau nach ihrem Hund rufen höre und zwar, vermeintlich, auf deutsch (auf schwedisch hört sich das genauso an lernen wir später). Neben unserem WoMo steht ein Greyhound. Als ich aus dem WoMo komme sind Hund und Frau schon weg. Die ganze Nacht bis jetzt um 0900 ist noch kein einziges Auto an uns vorbei gefahren. Wir stehen wirklich mitten in der Pampa, was wir auf der Weiterfahrt dann merken. Ich wecke Sylvia mit dem Duft von Kaffe. So fängt der Tag gut an ;-). Wir fahren durch den Wald auf der Suche nach der Zivilisation und treffen auf eine Elchkuh, welche von Sylvia eifrig fotografiert wird.

 

In Marienfred besuchen wir das Schloss Gripsholm. Das Schloss ist in einem erstaunlich guten Zustand und noch mit den originalen Möbeln eingerichtet. Man kann sich gut vorstellen, wie Königs einst gelebt haben. Auch auf Kultur brauchten sie nicht zu verzichten, hat das Schloss doch ein eigenes Theater, welches im Originalzustand erhalten ist, inklusive Kulissen.

 

 

Im Dorf versuche ich erst mal Geld zu wechseln. Die Oeffnungzeiten der Banken hier sind schon sehr sportlich, von 1000-1300. Es ist 1400! Hätte eh nichts genützt, denn am Eingang prangt ein grosses Schild "No currency exchange!". Na super. Die nächste und zugleich letzte Bank des Ortes ist ebenfalls zu und die Bankomaten sind tot. Kein Geld! Das kann ja heiter werden.

Gegen Abend fahren wir nach Stockholm und installieren uns vorerst für 3 Nächte auf dem einzigen Stellplatz mitten in der Stadt. Zum "Glück" führt eine der Haupstrassen direkt über uns drüber (wir stehen fast unter der Brücke) und wir liegen auch mitten in der Anflugschneise des Flughafens. So ist mit Sicherheit für Unterhaltung gesorgt. Bei angenehmer Temperatur geniesse ich die letzte Hälfte unseres letzten Bieres vor der Rezeption, wo bereits ein Schwede und ein Amerikaner, welcher seit 22 Jahren in Schweden lebt, sitzen. Ich erhalte wertvolle Infos betreffend Geldwechsel, öffenlichem Verkehr, Einkauf von Alkohol etc.

Donnerstag, 13. Juli

Es regnet. Sylvia hat, erwartungsgemäss, schlecht geschlafen. Die "Unterhaltung" war wohl doch etwas zu laut. Nach harzigem Start machen wir uns auf in die Stadt. Nach Besichtigung einer weiteren Backsteinkirche und Geldwechsel in einem "Forex exchange" Büro (nur EUR 500, mehr ging nicht) landen wir in der Altstadt beim königlichen Schloss. Die Wachen stehen traurig im Regen herum. Touristenmassen in Plastiküberzügen auf denen steht "I love the weather in Sweden!" bestimmen das Bild.

Mittlerweile tropfnass finden wir in einer Nebenstrasse ein Lokal und genehmigen uns das Tagesmenu. Mit dabei ist sogar gezapftes Bier! Die 2,1% Alkoholgehalt lassen es schmecken wie Bier ohne was drin! OK, wieder was gelernt. Aber das Essen ist vorzüglich und preiswert. Erst später werden wir feststellen, dass wir uns in eine der ältesten Gaststätten Stockholms verirrt haben. Den Rückweg zu Fuss wollen wir uns ersparen und ein Taxi nehmen, aber so durchnässt wie wir sind will uns kein Taxi mitnehmen. Aber gleich um die Ecke stossen wir auf die Metro. Also rein und Ticket kaufen. Witzigerweise schickt uns der Beamte am Schalter in den Kiosk gegenüber, weil da die Tickets billiger sind als bei ihm. Wieder zurück stempelt er diese ab und gibt uns Anweisungen, welchen Zug auf welchem Geleise wir nehmen sollen. Wirklich sehr nett, die Schweden. Ups, er ist Inder!

Raus aus der Metro, rein ins Einkaufszentrum. Mein Informant von gestern gab mir den Tipp, dass es hier eine der staatlichen Alkoholverkaufsstellen "Systembolaget" gibt. Alkohol, auch Bier, über 3.5% gibt es nur in diesen Läden. An Bier z.B. kriegt man hier alles, was der Globus zu bieten hat. Von Schneider Weisse über Erdinger zu Miller und Dorado bis zu sämtlichen möglichen und unmöglichen englischen und irischen Bieren. Auch speziellen Wein für unseren Leisi: Motörhead!

Wir decken uns mit Tuborg ein und gehen zurück ins WoMo. Das Wetter wird sich heute nicht mehr ändern. Trotzdem ist der Blick aus dem WoMo am Abend noch traumhaft.

Freitag, 14. Juni

Bei etwas besserem Wetter fahren wir wieder mit der Metro und dann mit dem Tram zum Vasa Museum, das berühmteste Museum der Stadt. Die Vasa, ein Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, wurde Anfang der 1960er Jahre fast unversehrt geborgen, nachdem sie 333 Jahre in rund 30m Tiefe vor dem Stockholmer Hafen gelegen hatte. Das relativ süsse Brackwasser hatte verhindert, dass das Holz vom Schiffswurm gefressen werden konnte, kann doch der Wurm in diesem Wasser nicht leben. Damals lag Schweden mit Polen im Krieg und die Vasa wurde gebaut, um den ebenso grossen polnischen Schiffen etwas entgegen zu setzen. Allerdings veranlasste der König, Gustav II. Adolf, dass das Schiff mit mehr Kanonen ausgerüstet wurde als geplant. Dies veränderte die Statik derart, dass das Schiff auf der Jungfernfahrt nach ca. 1500 Metern sank. Ca. 30 Menschen kamen dabei um.

Nach dem Museum habe ich genug und fahre mit der Metro zurfück auf den Stellplatz.

Sylvia gibt sich noch das Architekturmuseum und das Museum der Moderne, was sie allerdings jeden trockenen Faden am Leib kostet. Denn kaum hatten wir uns getrennt, folgen wieder sintflutartige Regenfälle! (Sonderausstellung Niki de Saint Phalle - jeder nasse Faden hat sich gelohnt!)

Typisch:

 

aber auch das ist von ihr:

 

 In einem trockenen Augenblick drehe ich noch eine Runde mit Brujo. Als Sylvia zurück kommt beiben wir im WoMo.

 

Samstag, 15. Juni

Wir verlassen Stockholm und besichtigen den Wohnitz des schwedischen Königs, Schloss Drottningholm.

Der Park ist riesig und wir durchwandern ihn von zwei Seiten.

 

Da der König zur Zeit im Schloss weilt, was man an der gehissten Fahne erkennt, verzichten wir auf einen Besuch bei ihm. Wahrscheinlich hat er uns auch nicht erwartet.

Weiterfahrt nach Uppsala. Wir umrunden den Dom,

                        

Sylvia geht auf weitere Entdeckungstour  (und geniesst den Dom von innen, begegnet den Gärten des C.A. Linné, den altehrwürdigen Uni-Gebäuden, dem Gustavianum, dem Schloss ...)

während ich die weitere Fahrt plane.

 

Unterwegs biegen wir wieder mal ins Nirgendwo ab und übernachten auf dem Parkplatz eines Naturreservats. Der Spaziergang durch das Reservat an den See erstickt meine Hoffnungen, endlich mal Angeln zu können. Das Ufer ist so weit das Auge reicht mit Seerosen zugewachsen. Aber so langsam geht es in die Natur! Der Blick aus dem WoMo sieht aus wie ein Plattencover von Pink Floyd (man rate welches?). 

Sonntag, 16. Juni

Ueber Land fahren wir nach Gävle. Unterwegs nehmen wir ein typisch schwedisches Lunchbuffet zu uns. In dem kleinen Café/Bauernhof sind wir, wieder mal, die einzigen Ausländer. Gävle hat nicht viel zu bieten. Einzig die kleine Altstadt, welche aus pittoresken Holzhäusern besteht, lohnt den Aufenthalt.

Also fahren wir weiter nach Falun. Der Campingplatz mit WiFi lässt uns wieder mal mit der Aussenwelt kommunizieren. Nicolaus ist sehr interessiert und verfolgt unsere Reise auf Google Earth. Sogar den Abfallkübel in der Nähe unseres Stellplatzes kann er identifizieren. Eigentlich wollte ich noch an unserer Homepage arbeiten, aber es ist plötzlich 2330 und immer noch hell. Man spürt nun schon deutlich, dass wir immer weiter nach Norden kommen.