Montag, 29. Juli

Wir haben heute einiges vor. In Trondheim finden gerade die Festtage des hl. St. Olav statt. Er wird verehrt als Begründer des Christentums in Norwegen und, weil der Gute 1130 in der Schlacht bei Stiklestad fiel, finden ihn seither alle toll. Sylvia besucht die Pilgermesse im Dom um 11 Uhr. (ein ökumenischer Gottesdienst mit zwei verschiedenen Chören, teilweise in englisch und deutsch)

Ich, mit Brujo an der Leine, erkunde die Umgebung des Doms. Viele Pilger sind unterwegs, deshalb dürfen Stände mit Devotionalien nicht fehlen. Aber es gibt auch einen mittelalterlichen Markt

und allerlei Unterhaltungsangebote bis hin zu Pony-Reiten für Kinder und Streichelzoo.

Neben dem Dom steht das alte Waisenhaus und als ich daran vorbei gehe fliegen bildgerecht ein paar "Schwalben" vorbei.

Als wir uns wieder gefunden haben wollen wir etwas essen. Gar nicht so einfach mit Hund. Selbst auf Terrassen werden wir abgewiesen.

Wir wandern auf den Berg. In der Festung Kristiansten

soll es ein gutes à-la-carte Restaurant geben. Dieses ist am Montag leider geschlossen und so landen wir, zurück in der Stadt, schliesslich bei Burger King. Sylvia holt das "Essen" und wir verdrücken es auf der Treppe des Rathauses. So haben wir uns das eigentlich nicht vorgestellt gehabt.

Auch die beiden Museen, welche Sylvia besuchen wollte sind, entgegen anders lautender Touristeninfo, am Montag halt auch im Sommer geschlossen.

Etwas ausserhalb Trondheims besuchen wir dann das lokale Freilichtmuseum Sverresborg. Die alten Häuser und die Bauernhöfe sind ganz nett.

Die Stabkirche, die angeblich älteste von 29 noch erhaltenen von einst über 1000 in Norwegen ist hingegen ein Muss.

Auch ein alter Stadtteil ist aufgebaut. Wir besuchen unter anderem den Zahnarzt.

Der Arbeitsplatz rechts ist uns aus unserer Jugendzeit noch in (un-)guter Erinnerung. Freude herrscht, dass wir im 21. Jahrhundert leben!

Am Abend geben wir uns noch ein paar Kilometer Richtung Süden und lassen uns auf einem Camping in Viggja nieder, welcher sich am Trondheim Fjord befindet. Weit sind wir ja nicht gekommen und, so wie es aussieht, werden wir vielleicht mehr als eine Nacht bleiben. Wir sind ja nicht auf der Flucht - und man kann angeln!

Dienstag, 30. Juli

Ruhetag. Woche 10 geht ins Netz. Somit ist es bereits vier Uhr am Nachmittag. Bei schönem Wetter gehen wir unseren Leidenschaften nach. Sylvia wandert mit Brujo auf den Berg. Ich angle im Fjord.

Am Abend verspeisen wir den Fang des Tages und skypen bis in die Puppen. Auch die Mails werden wieder mal gecheckt und wir planen den weiteren Verlauf der Reise. In der Nacht setzt Regen ein. Die nächsten Tage sollen nass werden.

Mittwoch, 31. Juli

Unser WoMo steht im Wasser (buchstäblich). Es schüttet wie aus Kübeln. Brujo will noch nicht mal raus zum Pinkeln. Die Temperatur ist auf 14 Grad gefallen. Wir lassen es langsam angehen. Da der Wetterbericht erst mal nichts Gutes verspricht ist keine Eile geboten. Die tollen Fjorde vor uns wollen wir bei schönem Wetter geniessen.
 
Da passiert es! Beim Verstauen der letzten Sachen im Womo kauere ich vor dem Schrank und will wieder hoch. Ein dumpfer Knall im rechten Knie. Höllischer Schmerz. Der Meniskus ist nun definitiv ganz gerissen. Diesmal renkt sich nichts mehr ein, Knie blockiert.
 
Wir brechen unsere Tour ab und Sylvia fährt ganze 540 Kilometer durch bis nach Oslo, wo wir um Mitternacht eintreffen.
 
Die Notaufnahme gleicht einem Treffpunkt für Alkoholiker und Drogensüchtige! Wir sehen hier mehr Security als Ärzte und Pflegepersonal. Das Wachpersonal hat viel zu tun! Gut, dass wir einen Hund im WoMo haben. Das hält die Neugier der dunklen Gestalten auf dem Parkplatz in Grenzen. Sylvia wird von einem verdreckten Betrunkenen angemacht, der sich als Bono von U2 ausgibt. Er wird aber rasch von zwei Krankenschwestern eingefangen, welche ihn wieder in die Katakomben, aus denen er wohl abgehauen war, zurückführen.
 
Gegen drei Uhr morgens werde ich endlich von einer netten jungen indischen Ärztin untersucht. Sie drückt an meinem Bein rum und hat keinen Plan was mir fehlt. Schliesslich ist sie froh darüber, dass Sylvia ihr den Diagnoseverdacht mitteilt und versorgt mich mit starken Schmerzmitteln. Geröntgt wird trotzdem, obwohl klar ist, dass das keinen Befund ergeben kann. Dann erhalte ich ein Bett direkt in der Notaufnahme. Sylvia übernachtet im WoMo auf dem Parkplatz davor. 
 
Donnerstag, 1. August
 
 Die Nacht im Spital war kurz. Heute Morgen rutschte das abgebrochene Teil wieder an seinen Ort. Die untersuchende Ärztin empfiehlt mrt die Heimreise, verordnet mir Bandagen, Spritzen zur Blutverdünnung (wegen Thrombosegefahr), Schmerzmittel und Krücken. Mal sehen was noch geht. Muss mich aber operieren lassen. Werden sicher früher nach Hause kommen. Wir verlassen das Krankenhaus gegen 10 Uhr Richtung Larvik, wo wir die Fähre nach Dänemark nehmen wollen.
 
Und wie der Zufall so spielt. Sylvia wollte unbedingt wenigstens die grösste Stabkirche Norwegens in Heddal sehen, welche fast an unserem Weg liegt.
 
 
Auf dem Weg dahin fahren wir durch ein Kaff namens Notodden. Und hier findet ab heute ein Blues Festival statt.
 
 
Habe gerade Tickets für Van Morrison für morgen und Eric Burdon für Samstag gekauft! John Mayall ist auch hier, spielt aber zu spät am Abend (für uns ältere Leute). Wir installieren uns auf einem netten kleinen Campingplatz 14 Kilometer vom Zentrum Notottens entfernt, direkt am Fluss. Keine Autos, dafür aber reger Bootsverkehr (die fahren alle zu den Konzerten).
 
Ich bin zwar nicht sehr beweglich, aber mit den Krücken geht es schon. Muss halt aufpassen mit der Belastung meines Knies. Ein richtiger Indianer kennt ja bekanntlich keinen Schmerz. Und falls doch wieder was passiert habe ich ja jetzt das gute Morphium.

Freitag, 2. August

Die Nacht war ruhig und weitgehend schmerzfrei. Am frühen Nachmittag fahren wir nach Notodden und kaufen ein paar Sachen ein. Dann geht es in die Stadt. Hier ist wirklich der Teufel los. Das Blues Festival zieht zig-tausende Besucher an. Sylvia lädt mich am Anfang der Fussgängerzone ab und sucht einen Parkplatz für das WoMo. Dann gehen wir gemeinsam zum Brygga Konzertplatz (es gibt verschiedene Orte wo gleichzeitig Konzerte stattfinden). Wir sind extra früh dran, damit wir einen der wenigen Sitzplätze ergattern können. Van Morrison ist ausverkauft! 10'000 Menschen, viele in unserem Alter, rocken hier ab.
 
 
Das Konzert ist der Hammer! Der alte Mann geht ab als gäbe es kein morgen. 
 
Mein Bein macht einigermassen mit. Nach dem Konzert herrscht im Dorf ein riesiges Gedränge und viele schräge Typen sind zu bewundern. Einer kurvt mit seinem Bad Taxi durch die Gegend.
 
 
Den selben Typen sehen wir später Dudelsack pfeifend auf dem Dach eines Western Shops.
 
 
Ich bin froh, dass wir uns auf den Camping zurückziehen können. Das Knie hat gehalten. Das ist im Moment alles was zählt. Am Abend buchen wir die Fähre von Larvik nach Hirtshals in Dänemark für Sonntag.
 
In der Nacht setzt Regen ein.
 
Samstag, 3. August
 
Gewitter, sintflutartige Regenfälle! Sylvia geht mit Brujo trotzdem laufen und kommt völlig durchnässt zurück.
 
Trotzdem fahren wir wieder nach Notodden. Eric Burdon spielt um halb vier. Mein kleiner Schirm wird an der Eingangskontrolle nicht entdeckt (die Krücke lenkt ab). Ein paar Tropfen kommen immer noch vom Himmel, das Wetter sieht ziemlich unsicher aus. Direkt neben der Bühne befindet sich der VIP Bereich, in welchem wir Stühle mit Rückenlehnen ausmachen. Und wenige Gäste. Keine Chance da rein zu kommen. Der Türsteher schickt uns zum Eingang zurück, wir könnten da Tickets für den Bereich kaufen. Am Eingang erfahren wir dann, dass es gar keine solche Tickets gibt. Das VIP Zelt ist nur für geladene Gäste. Ein freundlicher Offizieller hat Erbarmen mit meiner bemitleidenswerter Erscheinung und macht uns zu seinen persönlichen Gästen. Uns so kommen wir zu unseren Sitzplätzen, unter Dach, direkt neben der Bühne. Echt toll!
 
 
Das Konzert ist Spitzenklasse. Zum Schluss der Klassiker "House of the rising Sun".
 
 
Zufrieden und erschöpft trinken wir im Dorf noch ein Bier und dann, inzwischen bei Sonnenschein, fahren wir zurück auf den Camping.
 
Morgen geht's weiter nach Dänemark.
 
Sonntag, 4. August
 
Wir sind schon früh wach. Um 9 Uhr fahren wir schon los, obwohl wir erst um vier Uhr nachmittags an der Fähre sein müssen. Und prompt können wir nach ca. 15 Kilometern wieder umkehren. Das Navi wollte uns unter einer Brücke von 2,6 Metern durchführen! Wir fahren etwa 50 Kilometer mehr als geplant. Am Terminal angekommen haben wir aber genügend Zeit um unsere weiter Strecke zu planen, entsprechende Campings zu suchen, Freunden auf unserem Weg die frühere Ankunft mitzuteilen und das Update des Tagebuchs vorzubereiten. An Bord sitzen wir bequem mit Strom- und Internet über Satellit. Die Überfahrt verläuft ruhig. Wir kommen um 21:45 in Hirtshals an.
 
Ab morgen werden wir unsere Reisegeschwindigkiet erhöhen, auf dem Rückweg noch Freunde und Familie in Hamburg, Hannover und Bad Oeynhausen besuchen und dann auf direktem Weg in die Schweiz zurück fahren. So schliesst sich der Kreis etwa einen Monat vor der geplanten Ankunft.
 
Wir hoffen, dass es im Herbst auf eine weitere Reise geht und werden Euch dann wieder auf dem Laufenden halten. Bis dahin wünschen wir Euch eine gute Zeit und danken Euch, dass Ihr uns auf unseren Abenteuern gefolgt seid. Hasta la vista!