Montag, 22. Juli

Das Kreuzband an meinem rechten Knie schmerzt unerträglich (wie Sau). Ich kann fast nicht auftreten. Schmerzgel auftragen und Knieband montieren. Sylvia will erst mal laufen. Das Wetter ist gar nicht so schlecht. Mache das WoMo klar. Dann geht's los.

Bei Høylander verlassen wir die 17 und nehmen die 775 nach Gardland. Auch heute muss wieder mit der Fähre übergesetzt werden. Die Fahrt dauert nur 10 Minuten.

 

Am Fluss Namsen finden wir, wieder im Nirgenwo, ein bequemes Nachtlager. Eine Anglerin sitzt da und repariert ihre Rolle.

Sie fischt auf Lachse. Der Fluss ist der drittbeste für Lachse erzählt sie mir. Sie angelt jeden Tag. In den bisher 48 Tagen der Saison fing sie 23 Stück. Gestern hier an diesem Ort einen Lachs von 8,6kg. Stolz zeigt sie mir das Foto. Ich leiste ihr bis fast elf Uhr nachts Gesellschaft in der Hoffnung, dass sie etwas fängt. War aber nichts. Der Vollmond steht am Himmel, die Nacht wird sehr ruhig.

Dienstag, 23. Juli

Und plötzlich ist der Sommer da. Schon um sechs Uhr leuchtet die Sonne ins WoMo und es wird warm.

Zwei schwedische Angler kommen des Wegs und fragen wo eine gute Stelle zum Angeln ist. Direkt neben unserem WoMo fangen sie dann in kurzer Zeit 3 Stück, alle zwischen 1 und 1,3 Kilo. Den Dritten darf ich anlanden. Ein gutes Gefühl! Lachs habe ich noch nie gefangen.

Endlich kann ich mal die ganzen Sachen aus dem "Kofferraum" holen und Ordnung machen. Sylvia kümmert sich um das Innere des WoMos. Hinten wird Einiges umgeräumt und optimiert. Die Angelsachen werden geordnet. Die seitlichen Staufächer gereinigt, mit Antirutschfolie ausgerüstet und umgepackt. Endlich haben auch die Rentierfelle ihren Platz für die Weiterreise gefunden.

Am frühen Nachmittag fahren wir nach Bøla. Hier befinden sich Felszeichnungen aus der Steinzeit. Das 6000 Jahre alte Rentier ist das berühmteste in Norwegen.

Noch heute wird gestritten, ob es ein Stier oder eine Kuh ist, der Trend geht zur Kuh.

Nach dem Rundgang durch den Wald

wandern die Makrelen in den Backofen und wir essen erst mal.

Dann fahren wir noch ein paar Kilometer weiter Richtung Steinkjer. Bei Stod lassen wir uns an einem kleinen See nieder. Mitten im Wald und trotzdem Satellitenempfang. Wir stehen optimal.

Mittwoch, 24. Juli

Nach dem Frühstück geht Sylvia mit Brujo laufen. Nachdem das WoMo klar ist warte ich vergeblich auf ihre Rückkehr. Hat sie sich verlaufen? Nach drei Stunden läutet endlich mein Handy. Sie ist in Steinkjer, 12 km entfernt! Also fahre ich dahin. In einer Pizzeria im Ort warten die Beiden auf mich. Sylvia und der Hund sind geschafft. Ich auch! Was habe ich mir alles ausgemalt, was hätte passiert sein können. Sylvia ging es genauso, Unfall, Anfall, Überfall oder sonst was. Wir sind froh uns wiederzuhaben. Es stellt sich heraus, dass es mit der Kommunikation gehapert hat. Sie war der Meinung sie geht voraus und ich folge dann nach. Ich war der Meinung sie geht laufen und kommt dann zurück. Wieder was gelernt: Klare Absprachen und diese dem Anderen quittieren!
 
Sylvia besichtig die Kirche, 1965 von Olav Platou gebaut. Eine Basilika, zu deren Mittelschiff der Begriff "Schiff" absolut passt.
 
Es ist ein umgekehrtes Holzschiff. Licht fällt durch die blauen und blauroten mordernen Mosaikfenster, welche von Jacob Weidemann gestaltet wurden und versetzt den Besucher in eine übernatürliche Sphäre.  (Für mich endlich eine Kirche die auch das spirituelle Gefühl vermittelt.)
 
 
Wir essen etwas, suchen dann weitere Steinzeichnungen etwas ausserhlab von Steinkjer in Bardal auf
 
 
ent- und versorgen uns auf einem Campingplatz, kaufen ein, skypen etwas und fahren weiter Richtung Stiklestad wo wir, wieder an einem See, dem Leksdalsvatnet, nächtigen. Morgen wollen wir uns den ganzen Tag in Stiklestad aufhalten.
 
Donnerstag, 25. Juli
 
Gegen Mittag besuchen wir Stiklestad. Hier soll diese Woche der Teufel los sein. Wikingerfest, Theater des heiligen St. Olav etc. Was wir vorfinden ist ein Freilichtmuseum und eine Art Disneyland des Nordens. Eigentlich ein grosser Kinderspielplatz.
 
 
Wir wandern ein bisschen durch das Freilichtmuseum,
 
essen eine Kleinigkeit
 
und fahren dann weiter nach Levanger.
 
Das Küstendorf hat noch viele alte Holzhäuser, viel los ist hier aber trotz Sommerferien nicht.
 
Gegen Abend fahren wir auf eine Halbinsel südlich von Levanger und lassen uns in Haugan nieder. Hier sollte sowohl Sylvia zum Laufen wie auch ich zum Angeln kommen. Der Camping ist riesig. Es hat hier aber vor allem Dauercamper. Unser Stellplatz direkt am Meer ist so schön
 
dass wir beschliessen, hier erst mal zu bleiben. 
 
Freitag, 26. Juli
 
Ich packe mein Angelzeug, Sylvia will die Nachbarinsel mit Brujo zu Fuss erkunden. Das Wasser ist trotz Flut relativ flach. So wandere ich dem Ufer entlang auf der Suche nach einem geeigneten Platz, versuche es an diversen Stellen, ohne Erfolg. Ich will schon aufgeben als ich einen relativ hohen Felsen entdecke. Abenteuerlich klettere ich von Stein zu Stein um die Stelle zu erreichen. Es stellt sich heraus, dass auch hier das Wasser nur wenige Meter tief ist. Trotzdem fange ich an zu Angeln, hat ja auch was Meditatives. Nach mehrmaligem Köderwechsel und Wechsel der Angelmethode plötzlich ein Biss. Gewaltiger Widerstand! Und schon springt ein schöner Hornhecht senkrecht aus dem Wasser. Nach einigen Minuten Kampf gelingt es mir, das Teil auch wirklich anzulanden. Mir läuft ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Der Hornhecht ist einer der besten Speisefische überhaupt! Das Nachtessen ist gesichert. Den letzten (und bisher einzigen) Hornhecht habe ich vor über 10 Jahren auf Teneriffa gefangen. Kurz danach beisst noch ein kleinerer Barsch.
 
 
Zufrieden mache ich mich auf den Heimweg. Als Sylvia kommt zeige ich stolz meine Beute und zerlege sie danach in pfannengerechte Stücke. Auf fast einen Meter Fisch am Stück ist das WoMo nicht eingerichtet.
 
 
Sylvia berichtet, dass auf der Insel Tautra ein riesiges Volksfest im Gang ist. Die Zufahrt ist bereits gesperrt. Die Insel ist überflutet mit WoMos und Wohnwagen. Da das Fest das ganze Wochenende über andauert werden wir morgen hingehen, zu Fuss natürlich. Heute geniessen wir erst mal das Nachtmahl. Die grünen Gräten des Hornhechts erleichtern die Suche danach ungemein.
 
 
Die Klosterruine (gegründet 1207) auf Tautra liegt am Frostatien, einem historischen Wanderweg, entlang der Küste von Hernesora, an welchem Grabhügel aus der Eisenzeit, einem Versammlungs- und Richtplatz der Wikinger, Steinritzungen und vieles mehr zu finden sind.
Die Ruine gehört, wie Munkeby, zu den Marienklöstern (Zisterzienser), nur dass auf Tautra heute wieder ein solches Kloster bewohnt und landwirtschaftlich betrieben wird.
 
 
Dieses Wochenende dient die Ruine als Kulisse den St. Olavs-Festspielen.
Da ich, ansatzweise, in den Genuss der Proben kam und absolut kein Wort verstanden habe, habe ich beschlossen, dass wir uns auf das musikalische Abendprogramm beschränken.
 
Wir sind heute beide ziemlich geschafft.
 
Samstag, 27. Juli
 
Heute ist Entspannen angesagt. Mit der Flut am frühen Nachmittag gehe ich wieder angeln. Zwei grosse Makrelen reichen für uns, also breche ich ab. Es fängt an zu regnen als ich auf dem Rückweg bin. Das Gewitter entwickelt sich zum Dauerregen, womit unsere Pläne für heute Abend buchstäblich ins Wasser fallen. So ein Pech!
 
Sonntag, 28. Juli
 
Wieder Kaiserwetter! Wir machen klar Schiff und suchen dann den Weg zurück zur E6. Wir fahren bis nach Trondheim. Der WoMo Stellplatz liegt sehr nahe am Stadtzentrum. Kostenlos, aber keine Einrichtungen. Wir sind ja autonom. Alles ist in Gehdistanz. Wir finden ein nettes Restaurant am Fluss, das Grenaderen (in einer alten Schmiede aus dem 18. Jahrhundert) und essen wieder mal "auswärts".
 
 
Nach dem Essen machen wir einen Rundgang durch die Stadt. Nidaros Dom,
 
 
die alte Brücke,
 
 
Speicherhäuser an der Nidelva.
 
 
Auf dem Rückweg stellen wir fest, dass die Steinmetze wohl schon im Mittelalter Humor besessen haben!
 
 
Es ist schwül. Im WoMo herrschen 29 Grad.
 
 
Gegen 23 Uhr fängt es an zu regnen was wir, zum ersten Mal, als angenehm empfinden.